Die Siebenbürger Sachsen können auf eine über 850-jährige Geschichte zurückblicken. Diese Bevölkerungsgruppe hat im Laufe von fast neun Jahrhunderten, unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit, sechs verschiedenen Staaten angehört:
1. von der Ansiedlung um die Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1541 zum mittelalterlichen Königreich Ungarn;
2. von 1541 bis 1699 zum autonomen Fürstentum Siebenbürgen unter der Oberherrschaft des osmanischen Reiches;
3. 1699 bis 1867 zu Österreich, im Rahmen der habsburgischen Donaumonarchie;
4. 1848 bis 1849 für kurze Zeit zum revolutionären Ungarn; nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 bis 1918 zum ungarischen Teil der habsburgischen Doppelmonarchie;
5. seit 1918 zu Rumänien;
6. seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundertes übersiedelten immer mehr Menschen nach Deutschland, so dass am Ende des letzten Jahrhunderts die überwiegende Mehrheit der Siebenbürger Sachsen auch in staatsnationalem Sinne Deutsche sind. Andere leben heute in Österreich, den Vereinigten Staaten, in Kanada und anderen Staaten, in die sie die Kriegs- und Nachkriegsereignisse oder auch die eigene freie Entscheidung verschlagen haben.
Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit im heutigen Rumänien, aus dem Landesteil Siebenbürgen. Sie stellen die älteste noch existierende Siedlergruppe der deutschen Ostsiedlung dar. Ihr Gebiet hatte nie Anschluss an reichsdeutsches Territorium, sondern gehörte stets zum Königreich Ungarn bzw. zum Kaisertum Österreich. Während 1930 etwa 300.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen lebten, waren es im Jahr 2007 noch knapp 15.000. Die Mehrheit der Bevölkerung wanderte seit den 1970er Jahren und in einem großen Schub ab 1990 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Organisierte Gemeinschaften von Siebenbürger Sachsen leben in nennenswerter Anzahl auch in Österreich sowie in Übersee in Kanada und den USA.
Siebenbürgen bildet geografisch das Zentrum und den Nordwesten Rumäniens. Von den südlicheren (Walachei) und östlicheren (Moldau und Bukowina) Landesteilen wird Siebenbürgen durch die Ostkarpaten und die Transsilvanischen Alpen (Südkarpaten) getrennt, die zusammen den südlichen Karpatenbogen bilden. Nach Westen hin scheiden ein Teil der Westkarpaten (Apuseni-Gebirge) Siebenbürgen vom Kreischgebiet ab.
Küche Ein Grundnahrungsmittel der siebenbürgischen Küche ist der Mais, der vor allem in den ländlichen Gebieten als aus Maismehl gekochter Brei zu allen Gelegenheiten und Tageszeiten eingenommen wird. Teilweise mit Milch, als Auflauf mit Schafskäse oder als Beilage zu Fleisch, Kraut oder Gulasch.
Ein weiteres wichtiges, nicht zu vernachlässigendes Nahrungsmittel ist die Kartoffel, die vornehmlich als Pellkartoffel oder Püree bereitet wird. Auch typisch für die siebenbürgische Küche ist ein dunkles, schweres Graubrot, welches lange geknetet werden muss, dafür aber äußerst sättigend ist und manchmal zusätzlich mit Kartoffeln angereichert wird. Es wird in großen, schweren Laiben gebacken (ab zwei Kg, traditionell meist noch größer) und häufig als Schmalzbrot mit Salz, Pfeffer und (Frühlings-)Zwiebeln gegessen. Allerdings unterscheiden sich die Küchen der drei alten Volksgruppen originär doch erheblich, haben sich über die Zeit aber in Teilen angeglichen. Kennzeichnend für die rumänisch-siebenbürgische Küche sind beispielsweise saure Suppen, für die Ungarn scharfe Würzen mit Paprika und Kümmel und für die Siebenbürger Sachsen Fleischsuppen mit Fruchteinlage (Pflaumensuppe, Weinbeerensuppe, Rhabarbersuppe etc.) oder Mehlspeisen.
Die Sitten und Normen der Siebenbürger Sachsen waren vergleichsweise konservativ, was sich jedoch aus ihrer bewussten Abgrenzung zu den anderen Volksgruppen in Siebenbürgen verständlich macht. Nur durch strenge Regeln und das Einhalten der Bräuche waren der Zusammenhalt der Gemeinschaft und das Überleben der Volksgruppe auch in widrigen Zeiten möglich. Zu den größten Tabus gehörten bis zur großen Auswanderung Ehen mit anderen Ethnien. Dies wurde als Untergraben des Zusammenhaltes der Volksgruppe gewertet und oftmals mit einer Ausgrenzung und Stigmatisierung der betroffenen Personen und deren Kindern beantwortet. Bis zum Beginn der 1990er Jahre lebte die Mehrheit der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung auf dem Dorf. Zwar waren die urbanen Zentren wichtig, da dort die Bildungseinrichtungen und ein Großteil der Arbeitsplätze verortet waren, jedoch war die siebenbürgisch-sächsische Bevölkerung im überwiegenden Maße bis zum Schluss eine ländliche. Besonders bis zum Zweiten Weltkrieg (und teilweise auch noch lange danach) waren auf den Dörfern alte Traditionen noch wach und wurden hochgehalten. Eben diese Traditionsverbundenheit und die kulturelle Geschlossenheit dieser Gemeinschaften waren bemerkenswert und trugen in hohen Maße dazu bei, dass die Siebenbürger Sachsen sich 850 Jahre als Ethnie halten konnten.
Während sich die Siebenbürger Sachsen im Laufe der Geschichte bis zur Wende im Jahre 1989 als starke Gemeinschaft mit hohem Integrationsvermögen für die einzelnen Mitglieder verstanden, welche sich erfolgreich gegen Assimilation zur Wehr setzten konnten, wird heute äußerst kontrovers über das Selbstverständnis der noch in Siebenbürgen Verbliebenen diskutiert. 95% der sächsischen Bevölkerung haben das Land verlassen, der Rest ist überaltert (das Durchschnittsalter liegt mittlerweile bei ca. 60 Jahren) und die wenigen Jüngeren finden unter ihresgleichen keine Partner mehr. Dies ebnet der lange verhinderten Assimilation den Weg und stellt die Gemeinschaft an sich immer mehr in Frage, zumal es sich bei vielen Zugängen in die evangelischen Kirchengemeinden (die es durchaus gibt) um Rumänen oder Kinder aus Mischehen handelt.
Obwohl die Auswanderung mittlerweile vollständig verebbt ist, sterben jedes Jahr sehr viel mehr Alte als Kinder geboren werden. Ob die Ausgewanderten in nennenswerter Zahl zurückkehren werden, um der Gemeinschaft demographisch einen neuen Aufschwung zu ermöglichen, ist mehr als fraglich.
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